Verbrannt? Ab an den Nordpol

Vielleicht sollten wir ganz vorn beginnen, noch bevor wir auf den Nordpol eingehen. In diesem Blogbeitrag tauchen wir ein in die Virtual Reality. Aber warum heißt es immer wieder „virtuell vs. analog“? Gibt es überhaupt zwei Wirklichkeiten? Warum werden Virtual Reality und Virtual Life immer noch vom Real Life und der analogen Welt abgegrenzt? Ist nicht alles eine Welt, eine Realität, in der all das Platz hat? Es gibt Experten auf dem Gebiet der Trend- und Zukunftsforschung, des digitalen Marketings und technischer Entwicklungen, die überzeugt davon sind, dass wir erst am Anfang einer rasanten Entwicklung stehen. Dass E-Mobilität, Augmented und Virtual Reality, Rundum-Vernetzung, Smart Home, Industrie 4.0 etc. nicht erst in vielen Jahren soweit sind, sondern das ganze Gebilde bald Fahrt aufnehmen wird. Sehr bald.

Spätestens, wenn wir Meetings nicht mehr live vor Ort, „real“, oder via Telefon erleben, sondern die Teilnehmer virtuell einander zugeschaltet sind – dann sind wir in der sogenannten Virtual (VR) oder sogar Augmented Reality (AR) angekommen. Kurz zur Unterscheidung: In der AR nehmen Sie die Umgebung noch wahr und bekommen zusätzlich Informationen eingeblendet oder überblendet. Um AR zu erleben, brauchen Sie zum Beispiel ein Smartphone, ein Tablet oder eine spezielle AR-Brille. VR bringt Sie komplett in den virtuellen Raum, in dem Sie die „reale“ Welt nicht mehr wahrnehmen. Stellen wir uns das in etwa vor wie auf dem Holodeck. Unser Bewusstsein agiert in einem virtuellen Raum, je nach Ausstattung geht das so weit, dass komplette Körperbewegungen dreidimensional abgebildet werden. Der Vorteil: die Interaktion. Natürlich ist es immer noch am besten dem Gegenüber direkt ins Gesicht sehen zu können, Augenkontakt zu halten, Mimik und Gestik zu interpretieren. Dennoch hat VR seine Berechtigung. Gerade im Healthcare-Bereich tun sich ungeahnte Möglichkeiten auf.

Geht’s jetzt an den Nordpol?

Erst noch einmal einen Schritt zurück. Virtual Reality macht eine computergenerierte – virtuelle – Umgebung live erlebbar. Nicht zweidimensional wie z. B. auf dem Fernsehbildschirm, auch nicht wie 3D-Kino. Der Nutzer befindet sich mitten im Geschehen, kann VR sehen, hören, spüren. Was heißt das für den weißen Markt?

  • VR kann Gesunden die Einschränkungen einer Krankheit näherbringen
  • VR zeigt jungen Menschen, wie sich deutlich ältere Menschen fühlen
  • VR kann in der Rehaphase z. B. via Tablet sinnvoll begleiten
  • VR vermittelt Wissen an Studierende
  • VR kann bei der Trauma-Bewältigung unterstützen
  • VR bringt Linderung bei Phantomschmerzen
  • VR lenkt von Verbrennungsschmerzen ab

Und dieser letzte Punkt ist es auch, der uns an den Nordpol bringt. Wir wollen diese vielfältigen Einsatzgebiete noch einmal etwas genauer beleuchten. Denn unsere Liste ist nur ein winziger Auszug, der eine ungefähre Ahnung vermittelt, was VR im Healthcare-Bereich schaffen kann. Stellen Sie sich nur einmal vor, wie im Hochsommer bei 40 Grad Außentemperatur schon der Gedanke an das Innenleben des Kühlschranks oder das Ansehen von Videos mit Eis und Schnee für Entspannung sorgen. Dieses Phänomen ist real, nicht eingebildet, und es eröffnet Chancen über Chancen. Das Bewegen in und Erleben von einer anderen Welt, beispielsweise am Nordpol mit riesigen Eisschollen, mit Schnee und deutlicher Assoziation von Kälte – all das lenkt Menschen mit Verbrennungsschmerzen von eben diesen ab. Nach Amputationen kann VR Phantomschmerzen bekämpfen, weil in der virtuellen Umgebung das fehlende Gliedmaß simuliert werden kann. Sogar Traumata lassen sich verarbeiten, in dem der Patient das Ereignis virtuell noch einmal durchlebt.

Virtual Reality zur Vorbeugung und Vorbereitung

Auf Bevorstehendes wie Stresssituationen kann der Patient via VR behutsam vorbereitet werden, um im Ernstfall besser damit umzugehen. Überhaupt schafft die Mensch-Technik-Schnittstelle oft besser als analoge „Krücken“, Medizinisches zu simulieren. Ein Beispiel: angehende Ärztinnen und Ärzte. Virtuelle Patienten können ohne Risiko untersucht und diagnostiziert werden. Der VR-Vorteil sind Gestik und Mimik; non-verbale Anhaltspunkte runden das realitätsnahe Erlebnis ab. Zudem lassen sich Körperfunktionen in VR sehr viel besser simulieren als das bei Leichen der Fall ist.

Sogar der Einsatz virtueller Therapeuten ist keine Zukunftsmusik mehr. Ist die Hemmschwelle zu groß, sich einem lebenden Menschen anzuvertrauen, kann das VR-Pendant Ängste nehmen – und anschließend an einen geeigneten Therapeuten aus Fleisch und Blut weiterleiten. Sie sehen: In Virtual Reality steckt nahezu grenzenloses Potenzial, das nach und nach entdeckt werden muss. Wir stecken hier sinnbildlich noch in den Kinderschuhen, und doch gibt es bereits einige Erfolge aus der ganzen Welt zu vermelden. Zur fehlenden Erfahrung kommt, dass sie bisher nicht eben kostengünstig sind, die VR-Brillen und dazugehörige Technik. Aber wie bei allen neuen Technologien wird sich auch das mit der zukünftigen Verbreitung ändern. Überlegen Sie sich, ob und in welcher Form Sie VR einsetzen wollen und können. Schon heute als Pionier? Eher morgen mit mehr Wissen und weniger Kosten? Egal, wie: geben Sie VR eine Chance und bieten Sie Ihren Patienten in Zukunft einen echten Mehrwert.

Nachtrag für alle mit starkem Magen

Sollten Sie irgendwann Gelegenheit haben, mit VR-Brille Achterbahn zu fahren oder einen Bungee-Sprung zu wagen: Sagen Sie ja – und hinterher bitte nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt. Denn wenn die virtuelle Realität mit der analogen verschmilzt, dann gibt das ordentlich Schwung – und das geht ziemlich real auf den Magen.