Über Sinn und Unsinn von Social Media

Angenommen, Sie haben Ihre Website endlich aktualisiert. Alles passt, ist modern, genügt dem Anspruch von heute. Dann können Sie sich ja zurücklehnen und Ihren Außenauftritt für sich arbeiten lassen. Oder?

 

Vergleichen wir das mal mit einer Seifenkiste. Sie wissen schon, die selbstgebauten charmanten schiefen Fahrzeuge aus Holzkisten und jeder Menge anderem Bastelmaterial, was einem eben so über den Weg läuft. Wenn Sie also Ihr Gefährt fertig gebaut haben, dann sieht das gut aus und Sie sind stolz darauf. Dürfen Sie auch sein. Aber jetzt geht’s erst richtig los: Bringen Sie Ihren Schatz auf die Straße. Nehmen Sie Fahrt auf, da draußen in der Welt, damit alle sehen, was Sie können und mit wieviel Schwung Sie ans Werk gehen. So ist es auch mit Ihrer Außendarstellung. Die Website ist das Grundgerüst, soziale Netzwerke sind Ihre Rennbahn, Ihre Straße, Ihre Möglichkeit, sich zu zeigen (und ja, auch ein bisschen Spaß zu haben.)

Social Media und der Aufritt auf den verschiedenen Bühnen können enorm wirksame Hilfe bieten, wenn es um Aufmerksamkeit, Steigerung des Bekanntheitsgrads und Imagebildung geht. Hier können Sie schnell und einfach näher an Kunden und Interessenten rücken. Allerdings nur mit entsprechender Reichweite. Denken Sie an das Publikum beim Seifenkistenrennen. Die haben nur dann echte Freude daran und feuern kräftig an, wenn sie freiwillig kommen. Heißt für Sie: Widerstehen Sie der Versuchung, für scheinbar kleines Geld große Fanzahlen zu kaufen. Denn was Sie wirklich weiterbringt im sozialen Netz, ist lebendige Interaktion begeisterter Nutzer, Kunden oder Patienten; nicht stillschweigende gekaufte und damit uninteressierte Masse. Bauen Sie mit Geduld und Fingerspitzengefühl Ihre loyale Fanbase auf.

 

Fans? Sind wir hier beim Fußball?

Was unterscheidet den stillen Beobachter vom begeisterten Fan? Letzterer wird aktiv, spricht positiv über Sie, Ihr Unternehmen und Ihre Marke, empfiehlt Sie im besten Fall weiter. Aber wie werden Kunden zu Fans, und warum ist das so wichtig? Und welche Kanäle sind dafür die richtigen, welches die wichtigen? Vorweg: Die großen Plattformen sind nicht automatisch auch die für Sie sinnvollen. Vermeiden Sie die „Wir müssen auf XY“-Falle: Entscheiden Sie mit Blick auf Ihre Strategie und Philosophie, wo Sie im sozialen Netz gut aufgehoben sind. Und investieren Sie dort Zeit und Arbeit. Dann bringt Sie die passende Social-Media-Strategie näher an Ihre Kunden und die, die auf dem Weg dorthin sind. Hier werden Menschen in eher lockerer Atmosphäre auf Ihre Marke aufmerksam, können entspannt mit Ihnen in Dialog treten und „zwischen den Zeilen“ viel über Sie erfahren. Dazu kommen Weiterempfehlungen und Bewertungen, die Ihnen helfen, bekannter zu werden und Ihr Bild draußen in der Welt zu justieren.

Wichtig dabei: Behalten Sie die Fäden in der Hand. Nur, wer aktiv seinen Außenauftritt pflegt, kann in die gewünschte Richtung lenken. Wer zu still ist in den Netzwerken, wird deshalb dort nicht etwa gar nicht stattfinden, sondern im schlimmsten Fall sogar einen negativen Ruf aufbauen. Sie sehen, Social Media ist nicht mit dem Einrichten der Profile erledigt, sondern jeden Tag aufs Neue ein gutes Stück Arbeit. Nicht umsonst ist das Berufsbild des Community Managers entstanden: Vollzeit kümmern sich Menschen darum, auf Fragen im Netz zu antworten, auf Kommentare zu reagieren und bei Bedarf Unheil abzuwenden oder Lob weiterzuverteilen. Angemessen schnelle Reaktion wird erwartet, und „angemessen“ ist dabei häufig subjektive Empfindung.  Wer eine dringende Frage stellt, will diese ruckzuck beantwortet bekommen. Dauert das zu lange oder wird die Frage ignoriert, rollt schnell ein Shitstorm an. Soziale Plattformen sind kurzlebig. Hier der Hype, dort die Müdigkeit – es geht schnell, es geht rauf und runter, es geht hierhin und dorthin. Siehe Seifenkiste. Das Gute daran: Sie können das Steuer in die Hand nehmen. Und welche Strecke ist die richtige?

 

Ein Blick auf die großen Plattformen

Facebook: Gilt immer wieder als „tot“, ist es aber noch lange nicht. Immer noch sind 2,3 Milliarden Nutzer weltweit auf der Plattform mit dem blauen Daumen aktiv; über 32 Millionen erzählen in Deutschland, was sie umtreibt, und klicken „gefällt mir“. Die dort gesammelten umfangreichen Daten erlauben zielgerichtete Werbung und ohne Zeicheneinschränkung bei den Beiträgen auch längere Postings. Unsere Bewertung: mit den zahlreichen Funktionen etwas schwerfällig, über die Jahre etwas verstaubt; sollte dennoch nicht außer Acht gelassen werden – kommt ganz auf die Zielgruppe an.

Twitter: wird als „Kurznachrichtendienst“ betitelt, ist aber eher eine Echtzeit-Spielwiese der Wortgewandten. Mit mittlerweile maximal 280 Zeichen ein Ort, an dem sich immer wieder spannende Dialoge entwickeln. Unsere Bewertung: Wer Zeit aufwendet, um am Ball zu bleiben, kann hier erfolgreich virale Kampagnen starten. Gilt immer noch als Exot, rückt aber auch dank populärer Nutzer mehr und mehr ins Rampenlicht.

Instagram: ist nun auch in Deutschland so richtig angekommen. Soll heißen: Die Foto- und Video-Plattform zählt allein 25 Millionen Business Profiles (Accounts von Unternehmen). 400 Millionen Menschen nutzen Instagram Storys, also die Bewegtbild-Variante mit kurzen Videos. Unsere Bewertung: Wer sich gern und gut visuell in Szene setzt, kann hier für Aufmerksamkeit sorgen – oder zum Beispiel Kooperationen eingehen und auf Influencer-Marketing setzen.

XING und LinkedIn: zählen im weiteren Kreis auch zu den sozialen Netzwerken, konzentrieren sich eher auf berufliche Kontakte und Business Talk. LinkedIn zählt dabei als internationale Variante deutlich mehr Nutzer. Unsere Bewertung: fast ein Muss, zumal hier nicht ganz so viel Dynamik gefragt ist. Sehen Sie es als professionelles zusätzliches Aushängeschild.

YouTube und Vimeo: setzen voll auf Bewegtbild und sind damit beliebter denn je. Der Trend geht klar Richtung Video, damit steigt die Relevanz dieser Portale mehr und mehr. Der Unterschied: YouTube setzt auf Quantität, Vimeo auf Qualität. Unsere Bewertung: Ja, bitte! Erzählen Sie Ihre Story in bewegten Bildern und sorgen Sie für Abwechslung auf Ihrer Website.

Messenger: sind der direkte Weg zum Kunden und zur Interessentin. WhatsApp, Facebook Messenger & Co. – sie gelten vielleicht nicht als eigenes Netzwerk, wohl aber als bedeutende Kanäle. Unsere Bewertung: Achtung Datenschutz! Wenn Sie überlegen, hier aktiv zu werden, sollten Sie sich im Detail damit beschäftigen, wie Sie DSGVO-gerecht in den Dialog gehen können. Dann aber zeigt sich die Stärke der 1:1-Kommunikation.


Sicher ins Ziel mit der Social Seifenkiste 

Um in unserem Bild zu bleiben: Legen Sie Ihr Ziel fest, definieren Sie wichtige Streckenpunkte, vergessen Sie nicht, mit den Fans zu interagieren – und bleiben Sie locker. Dann bringen Sie die sprichwörtliche Kiste sicher ins Ziel und gehören nicht nur zu den 90 Prozent der deutschen Unternehmen, die sich auf sozialen Netzwerken tummeln, sondern auch zu den sechs von zehn, die angeben, dass sich ihre Aktivitäten dort gelohnt haben.

Positionieren und etablieren Sie sich in den sozialen Netzen, die für Sie sinnvoll sind und den Kontakt zu Ihrer Zielgruppe ermöglichen. Nicht vergessen: Auch Mitarbeiter sprechen in social Networks über ihre Arbeit – und damit über Sie als Arbeitgeber. Nutzen Sie dieses Potenzial und geben Sie Ihrem Team keinen Grund, sich im vermeintlich privaten Raum negativ über Arbeit, Vorgesetzte und Kollegen auszulassen. So schaffen Sie nicht nur ein positives Bild von sich, sondern ziehen auch begeisterte und loyale Mitarbeiter an.