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Whitevision News,#chance. April 2020.

Ratten lieben Autofahren – und was das mit der Corona-Krise zu tun hat

Es macht ihnen sogar Spaß. So sehr, dass sie gar nicht mehr aufhören wollen zu fahren. Wissenschaftler um den Psychologen Kelly Lambert an der University of Richmond, veröffentlichen 2019 in der Zeitschrift Behavioural Brain Research eine Untersuchung, in der sie zeigten, wie Ratten komplexe Verhaltensweisen lernen. Sie wollten wissen, wie die Tiere darauf reagieren, wenn sie ein Auto steuern konnten. Sie bauten Spielzeugautos passend um, die ihre Ratten rechts, links und vorwärts steuern konnten. Die Ratten nahmen ihre Aufgabe gerne an und fuhren mit dem Auto zu ihrem Futter, das sie zur Belohnung erhielten. Dabei steuerten sie mehrere Stellen an und sammelten ihr Futter ein. Die verschiedenen Steuerungsmöglichkeiten des Autos nutzen sie ausgiebig. Die autofahrenden Ratten zeigten sogar weniger Stressmarker im Kot, als Tiere, für die das Futter frei zugänglich war. Das bedeutet, das Autofahren senkte sogar den Stresslevel der Tiere.

Die gleichen Tiere setzte man nun in ferngesteuerte Autos und fuhr diese Wagen von Futterstelle zu Futterstelle. Die Ratten schien das nicht so zufrieden zu stellen. Sie bevorzugten es deutlich, selbst fahren zu dürfen. Als Fahrer waren sie auch zufriedener als in der Rolle des Beifahrers. Und selbst als man ihnen das Futter entzog, um ihnen das Autofahren wieder abzugewöhnen, fuhren die Ratten munter weiter. Sie ließen sich das Autofahren nicht mehr nehmen, so viel Spaß machte es ihnen, das Auto selbstbestimmt durch ihren Käfig zu lenken. Die autofahrenden Ratten können Sie sich auf youtube ansehen: Ratten können jetzt Autofahren

Das, was Psychologen mit dem Begriff Selbstwirksamkeit beschreiben, scheint hier den besonderen Effekt auszumachen. Selbst etwas beeinflussen und steuern zu können ist ein so hoher Motivator, da braucht es keine zusätzliche Belohnung. Im Gegenteil. Das Gefühl der Selbstwirksamkeit belohnt an sich. Vielleicht erklärt das auch ein bisschen, warum Menschen sich so gerne in ihr Auto setzen. Trotz der vielen Staus. Und es erklärt, warum wir so auf die Corona-Krise reagieren.

Wir mögen es einfach nicht, wenn wir aus dem „Drivers Seat“ unseres Lebens verdrängt werden und unsere Entscheidungen nicht mehr selbst treffen können. Wenn wir abhängig sind, von Einschätzungen und Entscheidungen anderer Personen, die Konsequenzen der Entscheidungen aber mit verantworten und tragen müssen, das gefällt uns nicht. Genau wie die Tiere möchten wir selbst am Steuer sitzen und entscheiden wohin es geht. Und genauso geht es unseren Mitarbeitern.

Um also gut durch die Krise zu kommen und um diese als Chance effizient für sich und für sein Unternehmen nutzen zu können, gibt es ein paar Punkte zu beachten. Fünf davon habe ich hier für Sie zusammengestellt:

1. Erst anschnallen, dann losfahren

Das, was eigentlich selbstverständlich ist, hat in Krisen einen besonderen Platz. Nur wenn wir selbst guter Stimmung bleiben und gut für uns selbst sorgen, sind wir auch ein gutes Vorbild für Mitarbeiter. Ein sorgenvoller, traurig blickender Chef färbt ab und verbreitet Unsicherheit. Um die Krise als Chance nutzen zu können, brauchen wir selbst gute Stimmung, um unser Team engagiert und motiviert zu halten. Deswegen ist es wichtig, dass wir gut beobachten, welche Auswirkungen die Entwicklungen auf uns haben und aktiv dagegen steuern. Zeit gut für uns zu nutzen ist dabei ein wichtiger Faktor, aber auch Optimismus und Handlungsfähigkeit sind relevante Komponenten.

2. Die Mitarbeiter in den „Drivers Seat“ setzen

Mitarbeiter haben viele gute Ideen und diese können wir nutzen. Gerade jetzt sollten wir den Mitarbeitern spiegeln, wie wichtig sie für uns sind und wir froh wir sind, dass sie da sind. Jeder Mitarbeiter sollte in dieser Zeit eine besondere Aufgabe erhalten, die dabei unterstützt, die Krise gut zu überstehen. Vielleicht können Sie auch etwas abgeben, das Sie bisher selbst erledigt haben? Die Mitarbeiter werden Sie mit Engagement und Motivation belohnen. Denn auch sie sitzen lieber am Lenkrad als auf dem Beifahrersitz.

3. Weiterbildung

Wenn nicht jetzt, wann dann? Gerade jetzt sind online Weiterbildungen sehr gefragt. Dafür gibt es zahlrieche Anbieter. Das Praxisteam kann hier gemeinsam lernen und sich weiterentwickeln. Zudem besteht jetzt die Chance, für jede Funktion einen Backup aufzubauen – eine ganz wichtige Strategie, um Kompetenz im Unternehmen zu behalten. Das sichert sie besonders für den bevorstehenden Wiedereinstieg ab.

4. Das Vertrauen der Patienten neu gewinnen

Die Hygiene steht nun noch mehr im Mittelpunkt als zuvor. Und sie ist das zentrale Thema, um Patienten die ausreichende Sicherheit zu geben. Denn nur, wenn sich Patienten sicher fühlen, können wir ihr Vertrauen zurück gewinnen. Dokumentieren Sie, wie Sie Ihre Hygienestandards erhöht haben und berichten Sie darüber auf Ihrer Website.

5. Zuverlässiger Arbeitgeber

Zeigen Sie sich als zuverlässiger Arbeitgeber gegenüber Ihren Mitarbeitern. Es gibt immer viel zu tun und in den letzten Jahren ist so manches liegen geblieben, für das es einfach keine Zeit gab. Jetzt ist die Zeit, um alle diese Dinge anzupacken und gemeinsam mit dem Team Lösungen und neue Ideen zu finden, die dann umgesetzt werden. Jeden Prozess können Sie jetzt auf den Prüfstand stellen. Denn sobald es wieder los geht, dürfen Sie mit sehr hohen Patientenzahlten rechnen. Und dann sind Sie besonders auf ihre Mitarbeiter angewiesen.

Im „Drivers Seat“ zu bleiben und dieses Gefühl auch dem Team zu ermöglichen gehört zu den Schlüsseln des Krisenmanagements. Und wenn das gut gelingt, dann nutzen wir diese Chance, um uns, das Team und unser Unternehmen weiter zu entwickeln.

Gutes Gelingen

Und bleiben Sie gesund.

Dr. Susanne Klein / Gastautorin
EMCC Master Coach, coacht und begleitet seit mehr als 20 Jahren Führungskräfte in Unternehmen. Zunächst als Leiterin Führungskräfteentwicklung arbeitet sie seit 1994 im eigenen Unternehmen. Gemeinsam mit kompetenten Kollegen begleitet sie Veränderungsprozesse in Unternehmen und Kliniken.

info@susanne-klein.net

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