We love Comic Sans... oder: Warum die Wahl der Schrift ein wichtiger Bestandteil des CDs ist

Liebe Freunde des guten Geschmacks, heute beschäftigen wir uns ein wenig mit Typografie. Die Typografie ist eine Wissenschaft für sich, insofern sei gleich vorab geschickt, dass im Rahmen dieses kleinen Beitrages lediglich ein kleiner Kristall im Kaleidoskop der "Typo" betrachtet und keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben wird. Es scheint jedoch angemessen, dem geneigten Leser dieses Blogs im Laufe der Zeit den einen oder anderen Einblick in den Alltag der Gestaltung zu ermöglichen.

Nun zum Thema: der Bereich Typografie lässt sich grob aufteilen in Mikro- und Makrotypografie. Während sich erstere mit der Schriftart, Ligatur, Kapitälchen, Laufweiten, Wortabständen und der korrekten Verwendung der Satzzeichen befasst, bezieht die Makrotypografie die nächst höheren Ebenen mit ein: Seitenformat, Satzspiegel, Textmenge, Spalten, Bilder und Grafiken im Text, Seitenumbrüche etc.. Die gekonnte Kombination beider Disziplinen führt dazu, aus Zeichensalat einen Augenschmeichler machen zu können.

Wo ist das nun von Bedeutung? Schlicht: immer und überall. Wir nehmen Schnitzer in der Typografie unterschiedlich stark wahr, jedoch stören sie in jedem Fall den Gesamteindruck eines Dokuments, Artikels, einer Anzeige, Drucksache etc. Fazit: selbst auf dieser Ebene muss alles harmonisch kombiniert werden, damit es dem gewünschten Gesamteindruck eines Flyers, einer Website, einer Anzeige oder ähnlichem dienlich ist. Oft schon dachte man sich: irgendwie wirkt es nicht richtig... kleine Veränderungen an Zeichen- und Zeilenabständen können hier eine Menge ausmachen. Und genau diese Klaviatur zu beherrschen und auch im Zweifelsfall zu wissen, welches Rädchen noch gedreht werden kann ist unsere Profession.

Nun zur Comic Sans, die diesem Gedanken als Anstoß diente: die Auswahl und Festlegung einer Schrift im Rahmen der Coporate Design - Entwicklung ist ebenso wichtig wie alle anderen Bestandteile, denn auch sie vermittelt etwas. Die Adjektive hierzu sind vielfältig, das Spektrum reicht von technisch, verspielt, irritierend, aufregend, gesetzt oder jugendlich über ernsthaft, seriös, feminin und maskulin bis hin zu verstörend, kindisch oder aggressiv. Mit der Auswahl einer Schrift wird also ebenfalls ein Statement abgegeben. Bei unserer täglichen Arbeit treffen wir immer wieder auf die diversen Spielarten der Windows Core Fonts, unter anderem auf die 1994 entwickelte Comic Sans MS. Während manch einer diese Schrift witzig, lässig oder erfrischend findet, ist sie unter Grafikdesignern geradezu verpönt. Einem Grafiker nun also die Comic als Wunsch mit zu teilen ist gewissermaßen ein Stigma. Warum ist das so? Weil diese Schrift im nicht-professionellen Bereich durch die Platzierung in den Windows Core Fonts geradezu inflationär gebraucht wird. Sie ist der Handschrift nachempfunden und soll den Eindruck eines eher inoffiziellen Gebrauchs suggerieren. Wie der Name Comic schon vermuten lässt, ist sie nun ursprünglich beispielsweise nicht für den geschäftlichen Gebrauch vorgesehen - dennoch gibt es all zu häufig Copy-Texte (Fließtext), die in dieser Type geschrieben werden.

Sie sehen, man kann sich durchaus einige Gedanken zur Verwendung der "richtigen" Schrift machen, obgleich hier nur an der Oberfläche gekratzt wird... Es ist in der Tat keine Spielerei eines ästhetisch leicht übersteuerten Designers, auf die "richtige" Hausschrift Wert zu legen, denn wie schon erwähnt, macht sie das Gesamtbild eines Auftrittes rund - oder eben nicht.

Zum Weiterlesen: http://davaidavai.com/2010/07/20/comic-sans-there-is-absolutely-nothing-left-to-say-about-it-anymore/